Deutscher Beitrag zur Prager Quadriennale 2019 abgesagt


Blamage für ein Theaterland mit Welterbe-Anspruch

Jetzt ist es offiziell: Die Bundesrepublik Deutschland wird auf der Prager Quadriennale (PQ), der weltgrößten Ausstellung für Bühnenbild und Theaterarchitektur, im kommenden Jahr 2019 nicht mit einem nationalen Beitrag vertreten sein. Auf eine Anfrage von MdB Gregor Gysi (Die Linke) teilte Staatministerin Michelle Müntefering (SPD) mit, dass die erforderlichen Mittel vom Bund nicht zur Verfügung gestellt werden können.
Das deutsche Zentrum des Internationalen Theaterinstituts (ITI) und der Bund der Szenografen hatten in den vergangenen Monaten ein Konzept für einen nationalen PQ-Beitrag entwickelt. Kern der Präsentation, die Arbeit und Wirkung der Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz von 1992 bis 2017 unter der Intendanz von Frank Castorf darstellen sollte, wäre der maßgebliche Beitrag von Bert Neumann mit seiner Ästhetik operativer Spielräume gewesen. Der 2015 Verstorbene war seit 1992 Chef-Bühnenbildner der Volksbühne.
„Nach einem schleichenden Rückzug liegt jetzt eine klare Position des Auswärtigen Amtes vor“, erklärten Oliver Proske, künstlerischer Leiter des geplanten Projekts, und Thomas Engel, Direktor des deutschen Zentrums des ITI. „Für eine international Maßstäbe setzende Nation wie Deutschland, die ihre Theaterlandschaft als Weltkulturerbe der UNESCO angemeldet hat, ist die Absage einfach nur blamabel.“
Die Prager Quadriennale gilt als weltweit größte Leistungsschau für Bühnenbild und „Performance Design“ und findet seit 1967 aller vier Jahre statt. BRD und DDR waren regelmäßig mit nationalen Beiträgen vertreten, die mit zahlreichen Preisen gewürdigt wurden. Auch nach Wende und Wiedervereinigung war Deutschland ein fester Bestandteil der Quadriennale. 2015 wurden 150 Installationen aus rund 70 Ländern in Prag gezeigt, insgesamt wurden rund 150.000 Besucher*innen gezählt. In den aktuellen Finanzierungs-Debatten um das deutsche Theatersystem ist der Verzicht auf eine Beteiligung umso bedauerlicher, als damit indirekt auch politische Verantwortung für die Erosion der lebendigen deutschen Theaterlandschaft sichtbar wird. Während vielerorts große Anstrengungen unternommen werden, um historische Bühnenhäuser zu sanieren und zu modernisieren, fehlt es offenbar am Willen und an den Mitteln, den vitalen Inhalt dieser Hüllen zu fördern und zu erhalten. Dass die Bühnen- und Stadträume der weltweit bewunderten Ära Castorf nun nicht auf der Quadriennale präsent sein können, ist ein fatales Zeichen für die auswärtige Kulturpolitik Deutschlands.

Zum Herunterladen:
Pressemitteilung ITI, PDF
Artikel in Tagesspiegel, Berlin, PDF
Artikel in Berliner Zeitung, PDF